Pressemitteilung Mann+Hummel verschärft Konfrontationskurs

Nach Ablehnung des Alternativkonzepts soll nun nur noch über die Umsetzung der Verlagerung verhandelt werden

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2. Oktober 2026 2. Oktober 2026


Speyer, 1. Oktober 2026 – Die Arbeitgeberseite von MANN+HUMMEL verschärft ihren Konfrontationskurs gegenüber den Beschäftigten. Nachdem das gemeinsam von Betriebsrat, Beschäftigten, IG Metall und TBS entwickelte Alternativkonzept bereits am 21. September vollständig zurückgewiesen worden war, hat die Unternehmensleitung nun einen Entwurf für einen Interessenausgleich vorgestellt.

Für die IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal ist damit klar: Die Arbeitgeberseite will nicht mehr über das "Ob" der geplanten Maßnahmen sprechen, sondern lediglich noch über das "Wie" ihrer Umsetzung. Damit droht eine weitere Eskalation des Konflikts um die Zukunft des Standorts Speyer.

„Die vollständige Ablehnung unseres Alternativkonzepts war bereits ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. Mit der Vorlage eines Interessenausgleichs macht die Arbeitgeberseite nun deutlich, dass sie zwar bereit war, das Alternativkonzept zur Kenntnis zu nehmen, jedoch nicht bereit ist, ernsthaft über die darin enthaltenen Alternativen zu verhandeln. Statt gemeinsam nach Lösungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Zukunftsperspektiven zu suchen, werden Fakten geschaffen und die Beschäftigten vor vollendete Tatsachen gestellt“, erklärt Wladislaw Wolter, Politischer Sekretär der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal. 
Das von Betriebsrat, Beschäftigten, IG Metall und TBS entwickelte Alternativkonzept wurde über Monate hinweg erarbeitet. Ziel war es, wirtschaftlich tragfähige Perspektiven für den Standort aufzuzeigen und industrielle Beschäftigung in Speyer langfristig zu sichern. Die Ideen und Vorschläge basierten auf dem Wissen derjenigen, die die Prozesse, Produkte und Entwicklungsmöglichkeiten des Unternehmens seit Jahren aus ihrer täglichen Arbeit kennen.

„Die Kolleginnen und Kollegen haben Verantwortung übernommen und konkrete Zukunftsvorschläge entwickelt. Sie haben gezeigt, dass es Alternativen gibt. Dass die Arbeitgeberseite nun nicht bereit ist, über diese Alternativen ernsthaft zu verhandeln, ist eine weitere Eskalation und erneut eine herbe Absage an die Beschäftigten. Es entsteht der Eindruck, dass die Entscheidung bereits feststand und die Beiträge der Belegschaft letztlich keine Rolle spielen sollten“, so Wolter weiter.

Auch Marie Grigo, Politische Sekretärin der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal, kritisiert das Vorgehen der Unternehmensleitung scharf:

„Die Arbeitgeber entziehen sich ihrer sozialen Verantwortung gegenüber den Menschen, die über Jahrzehnte hinweg dazu beigetragen haben, dass MANN+HUMMEL zu dem Unternehmen geworden ist, das es heute ist. Diese Entscheidung ist nicht nur wirtschaftlich fragwürdig, sondern auch moralisch nicht vertretbar. Hier wird mit den Existenzgrundlagen hunderter Beschäftigter und ihrer Familien gespielt. Wer die Vorschläge der Belegschaft zurückweist und sich jeder ernsthaften Diskussion über Alternativen verschließt, missachtet die Leistungen derjenigen, die den Erfolg dieses Unternehmens überhaupt erst möglich gemacht haben.“

Mit Sorge blickt die IG Metall dabei insbesondere auf die Rolle der Eigentümerseite.

„Die Beschäftigten haben MANN+HUMMEL mit ihrem täglichen Einsatz, ihrem Knowhow und ihrer Loyalität zu einem weltweit erfolgreichen Unternehmen gemacht. Umso unverständlicher ist es, dass sämtliche Vorschläge zur Zukunftssicherung des Standorts vom Tisch gewischt werden. Die Eigentümer tragen Verantwortung für die Menschen hinter den Kennzahlen. Wer sich dieser Verantwortung entzieht und ausschließlich auf Personalabbau setzt, wird dem Anspruch nachhaltigen Unternehmertums nicht gerecht“, erklärt Birgit Mohme, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal.

Die Arbeitnehmerseite wertet die heutige Vorstellung eines Interessenausgleichs als eindeutiges Signal, dass die Unternehmensleitung ihren bisherigen Kurs unbeirrt fortsetzen will. Aus Sicht der IG Metall droht damit endgültig der Verlust eines ernsthaften Dialogs über Zukunftsperspektiven für den Standort.

Besonders enttäuschend ist dabei, dass die Beschäftigten immer wieder ihre Bereitschaft gezeigt haben, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Statt die Kreativität, Erfahrung und das Fachwissen der Belegschaft für den Profit des Unternehmens zu nutzen, werden Zukunftskonzepte zurückgewiesen und Fakten geschaffen. Viele Beschäftigte empfinden dieses Vorgehen als Missachtung ihrer jahrzehntelangen Leistung für das Unternehmen.

Vor diesem Hintergrund lädt die IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal ihre Mitglieder zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 8. Oktober 2026 ein. Dort werden die Beschäftigten über den aktuellen Stand der Verhandlungen informiert und über das weitere Vorgehen beraten.

„Die Arbeitgeberseite hat die Auseinandersetzung bewusst weiter verschärft. Deshalb werden wir unsere Mitglieder über die nächsten Schritte entscheiden lassen. Wir werden ein klares Votum darüber einholen, wie die Belegschaft auf diese Eskalation reagieren will. Die Kolleginnen und Kollegen haben ein Recht darauf, ihre Zukunft selbst mitzugestalten. Wer die Türen für echte Verhandlungen zuschlägt, darf sich nicht wundern, wenn die Beschäftigten geschlossen und entschlossen ihre Interessen vertreten“, erklärt Birgit Mohme.

Die außerordentliche Mitgliederversammlung wird darüber beraten, wie die Beschäftigten auf die jüngsten Entscheidungen der Arbeitgeberseite reagieren und welche weiteren gewerkschaftlichen sowie tarifpolitischen Schritte vorbereitet werden sollen. 

Für die IG Metall steht fest: Die Zukunft des Standorts Speyer darf nicht über die Köpfe der Beschäftigten hinweg entschieden werden.

Die IG Metall wird gemeinsam mit Betriebsrat und Beschäftigten weiterhin für eine Zukunftsvereinbarung kämpfen, die Perspektiven schafft, Arbeitsplätze sichert und der Verantwortung gegenüber den Menschen gerecht wird.